
WAS MICH LEITET
Menschen bringen ihre eigene Geschichte, ihre Erfahrungen und häufig auch bereits erste Vorstellungen davon mit, was ihnen helfen könnte. In meiner Arbeit geht es deshalb nicht darum, vorgefertigte Lösungen anzubieten. Gemeinsam betrachten wir, was belastet, was bereits trägt und wo neue Handlungsmöglichkeiten entstehen können.
Mich interessiert nicht nur, was schwierig ist, sondern auch, was trotz aller Belastungen gelingt. Diese lösungsfokussierte Haltung prägt meine Beratung ebenso wie meine Bildungsangebote und mein gesellschaftliches Engagement. Sie bedeutet für mich, Probleme ernst zu nehmen, ohne Menschen auf ihre Probleme zu reduzieren.
Dabei sind mir Offenheit, Verlässlichkeit und ein respektvoller Austausch wichtig. Unterschiedliche Sichtweisen dürfen nebeneinanderstehen – auch dann, wenn einfache Antworten nicht möglich sind.
MEIN WEG
Mein beruflicher Weg verlief nicht geradlinig – und gerade darin liegt heute eine meiner Stärken. Ich arbeitete zunächst als Fremdsprachenkorrespondentin, später im Journalismus und schließlich als Leiterin des Regionalbüros eines Bundestagsabgeordneten. Sprache, gesellschaftliche Entwicklungen und die Frage, wie politische Entscheidungen das Leben einzelner Menschen beeinflussen, haben mich schon damals beschäftigt.
Nach meinem Umzug nach Baden-Württemberg im Jahr 2004 entschied ich mich für eine grundlegende berufliche Neuorientierung. Ich studierte Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule Freiburg und qualifizierte mich in den folgenden Jahren in psychosozialer Beratung, Psychotherapie und systemischer Familienarbeit weiter. Seit vielen Jahren begleite ich Menschen in belastenden Lebenssituationen – in meiner eigenen Beratungspraxis ebenso wie in unterschiedlichen psychosozialen und gesellschaftlichen Zusammenhängen.
Eine besondere Bedeutung haben für mich Familien, in denen psychische Erkrankungen eine Rolle spielen. Ich kenne viele ihrer Fragen und Spannungsfelder nicht nur aus meiner beruflichen Arbeit, sondern auch aus eigener Erfahrung als Angehörige. Psychische Erkrankungen betreffen selten nur einen einzelnen Menschen. Sie verändern Beziehungen, Verantwortlichkeiten und das Zusammenleben einer ganzen Familie. Häufig treffen dabei sehr unterschiedliche Bedürfnisse und Sichtweisen aufeinander.
Diese Erfahrungen haben meinen Blick geschärft: für die Situation der erkrankten Menschen ebenso wie für die Belastungen, das Wissen und die Handlungsmöglichkeiten ihrer Angehörigen und Nahestehenden. Mir ist wichtig, dass keine dieser Perspektiven gegen eine andere ausgespielt wird. Verständigung gelingt nicht immer sofort – aber sie wird wahrscheinlicher, wenn alle Beteiligten gehört, ernst genommen und angemessen einbezogen werden.
Heute verbinde ich in meiner Arbeit fachliches Wissen, langjährige Beratungserfahrung, persönliche Erfahrung und gesellschaftspolitisches Interesse und Engagement. Daraus ist Klara Nova entstanden: ein Ort für Beratung, Bildung, Begegnung und neue Perspektiven.
Qualifikation und Erfahrung
Meine Arbeit verbindet fachliche Qualifikation, langjährige Berufserfahrung und persönliches Erfahrungswissen als Angehörige. Gerade diese Verbindung ermöglicht mir einen differenzierten Blick auf Menschen, Familien und die Bedingungen, unter denen sie ihren Alltag bewältigen.
Zu meinem fachlichen Hintergrund gehören:
Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin B. A.
Heilpraktikerin für Psychotherapie
systemischer Familiencoach
lösungsfokussierte Beraterin
Instruktorin für MHFA-Ersthelferkurse für psychische Gesundheit
Seit vielen Jahren führe ich eine eigene psychosoziale Beratungspraxis. Durch meine Beratungstätigkeit und meine Arbeit als rechtliche Betreuerin kenne ich sowohl die persönlichen Belastungen von Menschen und Familien als auch die praktischen Herausforderungen des psychiatrischen und psychosozialen Versorgungssystems.
Die Erfahrungen von Angehörigen und Nahestehenden sind dabei ein wesentlicher Bestandteil meiner fachlichen Perspektive. Sie machen sichtbar, was in Akten, Diagnosen und institutionellen Abläufen häufig nicht erfasst wird: die Auswirkungen psychischer Erkrankungen auf Beziehungen, Verantwortung, Alltag und die eigene Gesundheit.
Regelmäßige Fortbildung und fachlicher Austausch gehören für mich ebenso zu professioneller Arbeit wie die Bereitschaft, das eigene Wissen immer wieder zu überprüfen und durch andere Perspektiven zu erweitern.
Forschung und Engagement
Ein wesentlicher Anstoß für meinen Weg in die Forschung war mein Ärger darüber, dass Erfahrungen und Argumente von Angehörigen immer wieder mit dem Hinweis zurückgewiesen wurden, dafür fehle die wissenschaftliche Evidenz. Ich wollte mich damit nicht abfinden, sondern selbst dazu beitragen, diese Wissenslücken sichtbar zu machen und zu schließen.
2022 führte ich eine eigene peer-gestützte Untersuchung zur Lebenssituation sowie zu den Belastungen und Unterstützungsbedarfen von Angehörigen psychisch erkrankter Menschen an der Katholischen Hochschule in Freiburg durch. 1.234 Angehörige nahmen daran teil.
Von 2012 bis 2025 war ich durchgängig in Vorständen der Angehörigenselbsthilfe tätig, mehrere Jahre davon als Vorsitzende. In dieser Zeit brachte ich Angehörigenperspektiven in zahlreiche fachliche und politische Gremien, Forschungsprojekte und Veranstaltungen ein. Dazu gehörten unter anderem die Mitarbeit in der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrischer Verbünde, die Angehörigenvertretung im Präsidium der Deutsche Fachgesellschaft Psychiatrische Pflege (DFPP), das Projekt PazAng, die Evaluation der stationsäquivalenten psychiatrischen Behandlung (StäB) sowie die mehr als zweijährige Mitarbeit in der Konsensusgruppe und der trialogischen AG Impuls zur Überarbeitung der S3-Leitlinie „Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen“.
Dabei ging es mir immer darum, die Vielfalt der Angehörigenperspektiven sichtbar zu machen und in Forschung, Versorgung und fachliche Entscheidungsprozesse einzubringen. Meine persönliche Erfahrung war dafür ein wichtiger Ausgangspunkt, aber nie der Maßstab für die Erfahrungen anderer.
In der jüngeren Vergangenheit war ich zudem an verschiedenen Fachpublikationen beteiligt, darunter das Praxislehrbuch „Gerontopsychiatrie multiprofessionell“ und das Buch „Zuhause gegen den Zwang“.
Am DZPG-Standort Tübingen bin ich in verschiedenen Beteiligungsstrukturen aktiv – im Trialogischen Standort-Rat, als Angehörigenvertreterin im Standortboard und im standortübergreifenden Innovation Board. Aktuell wirke ich außerdem als Erfahrungsexpertin und Mitforschende im Projekt InnoCare mit.
Eine Auswahl meiner Vorträge, Texte und fachlichen Beiträge finden Sie unter Perspektiven & Impulse.